Mongolische Bibeltage in Wien
Mongolische Christinnen und Christen aus ganz Europa trafen sich Anfang Mai in Wien zur „Bibel-Tage-Konferenz“, organisiert von der mongolischen Baptistengemeinde Linz und der Mongolischen Bibelgesellschaft in Zusammenarbeit mit der Österreichischen Bibelgesellschaft.
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Wenn sich knapp 200 Christinnen und Christen aus ganz Europa treffen, die eine gemeinsame Sprache – Mongolisch! – sprechen, aber ganz unterschiedliche Lebensrealitäten teilen, dann geht es lebendig zu. Bereits vor Konferenzbeginn gab es ein Treffen der Teams der Mongolischen und der Österreichischen Bibelgesellschaft im Bibelzentrum. Neben Vorstellungsrunde und Austausch über unterschiedliche Funktionen und Projekte in den beiden Bibelgesellschaften fand vor allem eines statt: echte Begegnung. Aus dem Kennenlernen beim Mittagessen entstanden ganz selbstverständlich Gespräche. Auffallend war dabei die große Offenheit in entspannter, fast familiärer Atmosphäre.
Bayarjargal Garamtseren
Die mobile Ausstellung der Mongolischen Bibelgesellschaft in Wien.
Neues Testament in modernem Mongolisch
Der Austausch über Projekte war inspirierend. Voller Vorfreude haben die Übersetzerinnen und Übersetzer des Neuen Testaments in modernes Mongolisch erzählt, das dieses im August 2026 veröffentlicht wird. Sie bedankten sich für die Unterstützung von Spenderinnen und Spendern aus Österreich für dieses Übersetzungsprojekt. Mich begeisterte der Bericht von einem mobilen Bibelmuseum, mit dem die Bibelgesellschaft von ihrem Sitz in Ulaanbaatar bis in die entlegensten Provinzen der Mongolei fährt, um den Menschen die Geschichte der Bibel und des christlichen Glaubens (in der Mongolei) näherzubringen.
Das Team aus der Mongolei war begeistert von unserer Dauerausstellung und den Highlights unserer historischen Bibliothek im Wiener Bibelzentrum. Mit großem Staunen wurde die älteste Bibel unserer Sammlung aus dem Jahr 1509 begutachtet. Die antiken Schreibmaterialien, Papyrus und Pergament, wurden nicht nur betrachtet, sondern mit sichtlicher Freude berührt. Eine Kurzführung gab vor allem den Übersetzenden einen ersten Überblick, denn Teil der Konferenz sollte ein Besuch mongolischer Christen im Bibelzentrum sein. Da die meisten nicht Englisch sprechen, musste unsere Führung ins Mongolische übersetzt werden. Einige Exponate aus unserer Bibelsammlung waren zudem Teil der Konferenz in Wien-Brigittenau und ergänzten dort die Bibelausstellung, die die Mongolische Bibelgesellschaft mitgebracht hatte.
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Bei der Konferenz der mongolischen Christen in Wien stellten sich die einzelnen Gemeinden vor.
Einblicke in die Konferenz
Am nächsten Tag durften wir die Eröffnung der Konferenz miterleben. Zunächst gab es einen Einblick in die Ausstellung der Mongolischen Bibelgesellschaft zu Geschichte des Christentums und der Bibel mit einem Schwerpunkt auf die Mongolei mit entsprechend gestalteten Postern und ausgewählten Bibelausgaben. Im dicht gefüllten großen Saal stellten sich dann zunächst die Mongolische Bibelgesellschaft und die mongolische Baptistengemeinde in Linz als Veranstalter vor, ebenso die Österreichische Bibelgesellschaft. Danach präsentierten sich die anwesenden Gemeinden anhand von Kurzvideos. Gemeinden unter anderem aus Tschechien, Ungarn, Frankreich, den Niederlanden, Deutschland, Polen und England – alle verbunden durch die mongolische Sprache und den gemeinsamen Glauben, obwohl sie über ganz Europa verstreut leben. David von der Mongolischen Bibelgesellschaft, der für uns die Eröffnung der Konferenz übersetzte, erzählte, dass viele der Gemeinden aus kleinen Kerngruppen von 12-25 Personen bestehen. Der Zusammenhalt entstehe, weil neben gemeinsamen Gottesdiensten regelmäßig zusammen gegessen oder Zeit miteinander verbracht werde. Die Gemeinden sind überwiegend freikirchlich geprägt, es gibt baptistische Traditionen, aber auch Pfingstgemeinden. Umso bedeutender ist ein solches Treffen, bei dem man plötzlich Teil einer viel größeren, sichtbaren Gemeinschaft ist.
Die Stimmung bei der Konferenz war sehr fröhlich und herzlich; die meisten Teilnehmenden waren jung. Menschen begrüßten einander, kamen schnell ins Gespräch und begegneten auch uns mit großer Offenheit. Für viele war dieses Treffen weit mehr war als nur eine Konferenz: Es war ein Wiedersehen, ein Kennenlernen, ein Auftanken. Ein Stück Heimat in der Diaspora.
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Mit vollem Interesse erkundeten die mongolischen Christen das Bibelzentrum
Zu Besuch im Bibelzentrum
An einem Nachmittag kamen 131 Teilnehmer der Konferenz ins Bibelzentrum. Die Begeisterung des Teams der Mongolischen Bibelgesellschaft setzte sich dabei nahtlos fort: Exponate wie die schwerste Bibel wurden zum Posieren für das nächste Instagram-Foto hochgehalten. Die von einem Gefangenen handgeschriebene Bibel, die Bibel mit den Einschusslöchern oder die kleinste Bibel der Welt weckten großes Interesse. Die Reaktionen waren unmittelbar: Lachen, Nachfragen und immer wieder hörbares Erstaunen, das sich spontan durch die ganze Gruppe zog. Die Reaktionen erinnerten an die Begeisterung der Schulklassen, die uns regelmäßig im Bibelzentrum besuchen, nur, dass hier alle Generationen vertreten waren und der jüngste Besucher gerade einmal ein halbes Jahr alt war.
Die mongolischen Gäste waren dankbar, dass wir diesen Besuch für sie organisierten. Viele verabschiedeten sich persönlich, schüttelten uns die Hand und drückten in Deutsch, Englisch, Tschechisch, Französisch und Mongolisch ihre Freude aus. Auch für uns war dieser Besuch mehr als ein Programmpunkt – er war eine echte Begegnung, die in Erinnerung bleibt. Nicht zuletzt auch in den zahlreichen Gästebucheinträgen in klassischem und kyrillischem Mongolisch….


